Die Jemenitische Initiative für Frieden und Entwicklung hat am Sonntag mit dem deutschen Botschafter im Jemen, Thomas Schneider, über Möglichkeiten zur Stärkung des innerjemenitischen Dialogs gesprochen. Im Mittelpunkt standen zudem die Rolle der Zivilgesellschaft bei der Förderung von Frieden, Versöhnung und Vertrauensbildung sowie die aktuellen politischen, sicherheitspolitischen und humanitären Entwicklungen im Land.
Bei dem online abgehaltenen Konsultationsgespräch stellte der Generalsekretär der Initiative, Nooh Al-Jaseri, deren Ziele und Arbeitsschwerpunkte vor. Dabei ging er insbesondere auf die Ergebnisse der Internationalen Salzburger Konferenz für Frieden und Entwicklung im Jemen, die Nationale Charta, das geplante Nationale Zentrum für Versöhnung und Vertrauensbildung sowie die verschiedenen Ansätze zur Förderung des innerjemenitischen Dialogs ein.
Ahed Al-Tamimi, Leiterin der Abteilung für Forschung und politische Studien, erläuterte die Vorstellungen der Initiative für einen nachhaltigen Friedensprozess. Sie betonte, dass die Verantwortung für diesen Prozess stärker in jemenitischer Hand liegen müsse. Die jüngsten Eskalationen hätten den ohnehin begrenzten Raum für politischen Dialog weiter eingeschränkt. Daher seien konkrete Schritte zur Deeskalation und zur Schaffung geeigneter Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme des politischen Prozesses erforderlich.
Botschafter Schneider bezeichnete den Dialog zwischen den Jemenitinnen und Jemeniten als eine der zentralen Herausforderungen des Landes. Ein solcher Dialog gestalte sich weiterhin schwierig. Umso wichtiger sei der Aufbau einer handlungsfähigen Zivilgesellschaft, die eigene Perspektiven entwickeln und konkrete Lösungsansätze vorlegen könne.
Zugleich hob der Botschafter hervor, dass internationale Erfahrungen und bewährte Ansätze wertvolle Impulse für Dialog und Friedensförderung liefern könnten. Dauerhafte Lösungen müssten jedoch aus den gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten des Jemen heraus entwickelt werden und dessen Besonderheiten berücksichtigen.
Amal Abdullah, Leiterin der Abteilung für Medien und Kommunikation, schilderte die tiefgreifenden Folgen des jahrelangen Krieges für die jemenitische Gesellschaft. Dazu zählten der Niedergang des Bildungswesens, eine abnehmende Bereitschaft, andere Meinungen zu akzeptieren, sowie die zunehmende Verbreitung von Hassrede, Gewalt und Diskriminierung.
Sie unterstrich die Notwendigkeit, Kinder und Jugendliche, Hochschulen und Frauen stärker in die Friedensarbeit einzubeziehen und eine Kultur des Dialogs und des friedlichen Zusammenlebens zu fördern. Darüber hinaus müsse das Recht von Kindern auf grundlegende Schutzimpfungen gewährleistet werden.
Mohammed Al-Maliki, stellvertretender Vorsitzender der Generalversammlung, stellte das Konzept der Initiative für ein Nationales Zentrum für Versöhnung und Vertrauensbildung vor. Er plädierte dafür, den Dialog auf Scheichs, Stammesvertreter, gesellschaftliche Persönlichkeiten, Jugendliche, Frauen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie zivilgesellschaftliche Organisationen auszuweiten. Eine solche breite Beteiligung könne dazu beitragen, verloren gegangenes Vertrauen wiederherzustellen und die politische wie gesellschaftliche Polarisierung abzubauen.
Weitere Themen des Gesprächs waren die Rolle der Jugend, die Zusammenarbeit mit dem Büro des UN-Sondergesandten für den Jemen sowie die Frage, welchen konkreten Beitrag die Zivilgesellschaft zum Schutz ziviler Einrichtungen und wichtiger wirtschaftlicher Infrastruktur in Zeiten militärischer Eskalation leisten kann.
Im Zusammenhang mit internationalen Erfahrungen fragte Mohammed Al-Salahi aus der Abteilung für internationale Beziehungen und Partnerschaften, welche Lehren der Jemen aus dem deutschen Umgang mit dem Erbe des Nationalsozialismus und Faschismus sowie aus dem Aufbau eines Staates auf der Grundlage von Gleichberechtigung und staatsbürgerlicher Teilhabe ziehen könne. Er stellte zugleich klar, dass es dabei nicht um eine Gleichsetzung beider historischer Erfahrungen gehe, sondern um die Frage nach möglichen Erkenntnissen für den Jemen.
Botschafter Schneider bekräftigte, dass historische Erfahrungen und Prozesse – darunter auch der Helsinki-Prozess – wertvolle Orientierung bieten könnten. Dennoch müsse ein jemenitischer Lösungsweg stets den besonderen Bedingungen des Landes Rechnung tragen. Eine gemeinsame jemenitische Vorstellung von der Zukunft des Staates und der Gesellschaft bilde eine wesentliche Grundlage für einen nachhaltigen Frieden.
Mit Blick auf die Unterstützung der Zivilgesellschaft erläuterte Schneider, dass sich die deutsche Förderung vor allem an klar definierten Projekten mit konkreten Zielen und messbaren Ergebnissen orientiere.
Zum Abschluss würdigte der Botschafter das Engagement der Initiative und die Bereitschaft ihrer Mitglieder, aktiv an der Gestaltung der Zukunft des Jemen mitzuwirken.
Die Jemenitische Initiative für Frieden und Entwicklung bekräftigte ihrerseits, ihre Bemühungen um eine Ausweitung des Dialogs, die Förderung der Versöhnung und den Wiederaufbau von Vertrauen fortzusetzen. Ziel sei es, den Ruf nach Frieden in konkrete und umsetzbare Handlungsperspektiven zu überführen.
Jemenitische Initiative für Frieden und Entwicklung
Vom innerjemenitischen Dialog zu Frieden und Versöhnung.


