Wien, 28. Januar
Am 28. Januar veranstaltete die Jemenitische Friedensinitiative in Zusammenarbeit mit dem Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog ein Fachseminar in Wien zur Erörterung der aktuellen Entwicklungen der jemenitischen Krise sowie der Perspektiven für einen nachhaltigen Friedensaufbau.
An der Veranstaltung nahmen Akademiker, politische Entscheidungsträger sowie Expertinnen und Experten für den Jemen teil. Ziel des Seminars war es, die strukturellen Ursachen des Konflikts zu analysieren, den bisherigen Verlauf internationaler Vermittlungsbemühungen kritisch zu reflektieren und Ansätze für eine tragfähige politische Lösung zu diskutieren.
Die Veranstaltung wurde von Basheer Al-Tashi moderiert und mit einer Eröffnungsrede von Frau Kroissenbrunner eingeleitet. In ihrer Ansprache betonte sie die Notwendigkeit einer verstärkten internationalen und regionalen Koordinierung, um einen Übergang von einer Phase der Deeskalation hin zu einer umfassenden politischen Einigung zu ermöglichen.
Im Anschluss sprach Frau Rothschhädl über die wirtschaftliche und humanitäre Lage im Jemen. Sie schilderte eindrücklich die dramatischen Auswirkungen des anhaltenden Konflikts auf die Bevölkerung und hob hervor, dass die jemenitische Gesellschaft seit Jahren unter wirtschaftlichem Zusammenbruch, Versorgungsengpässen und einer tiefgreifenden humanitären Krise leidet. Besonders betonte sie, dass die Menschen im Jemen – insbesondere Frauen, Kinder und sozial schwache Bevölkerungsgruppen – die Hauptlast des Konflikts tragen und dringend nachhaltige internationale Unterstützung benötigen.
Den fachlichen Auftakt machte Herr Nooh Al-Jaseri mit einem Beitrag zum Thema „Von der Waffenruhe zum nachhaltigen Friedensaufbau“. Er erläuterte die politischen und sicherheitspolitischen Voraussetzungen, die erforderlich sind, um von einer temporären Entspannung zu einem strukturell verankerten Friedensprozess zu gelangen.
Mohammed Al-Salahi analysierte in seinem Vortrag „Die Wurzeln des Konflikts im Jemen“ die historischen und politischen Hintergründe der Krise und verwies auf das Zusammenwirken innerstaatlicher und regionaler Faktoren, die zur Verlängerung des Konflikts beigetragen haben. Adel Al-Shugaa setzte sich kritisch mit der Rolle der Vereinten Nationen auseinander und stellte fest, dass diese bislang vor allem eine moderierende Funktion ausgeübt habe, ohne verbindliche politische Durchsetzungsmechanismen etablieren zu können.
Abu Bakr Al-Qirbi befasste sich mit den Perspektiven einer politischen Lösung und hob hervor, dass jede tragfähige Vereinbarung auf einem umfassenden nationalen Konsens beruhen müsse. Dr. Shadi Khasrouf ergänzte die Diskussion mit einer analytischen Einordnung der Konfliktdynamik und betonte, dass ein Frieden ohne stabile staatliche Institutionen und funktionierende Rechtsstaatlichkeit lediglich vorübergehenden Charakter hätte.
Abschließend stellte Nadia Al-Naggar die Grundprinzipien und Zielsetzungen der Yemenitischen Friedensinitiative vor. Sie betonte, dass ein nachhaltiger Friedensprozess auf der Wiederherstellung staatlicher Institutionen, der Stärkung nationaler Partnerschaft und der Überwindung paralleler bewaffneter Strukturen beruhen müsse.
Im Anschluss an die Fachbeiträge wurde die Diskussion für das Publikum geöffnet. Die Teilnehmenden brachten zahlreiche Fragen und Anmerkungen ein, wodurch eine konstruktive und lebendige Debatte entstand.
Das Seminar schloss mit mehreren zentralen Empfehlungen. Dazu gehörten die Forderung nach verbindlichen internationalen Garantien zur Beendigung des Konflikts, die Förderung eines inklusiven politischen Prozesses unter Einbeziehung aller relevanten Akteure sowie die Notwendigkeit, militärische und sicherheitsrelevante Institutionen zu vereinheitlichen und bewaffnete Formationen außerhalb staatlicher Strukturen abzubauen.
Die Veranstaltung machte deutlich, dass die Verwirklichung eines nachhaltigen Friedens im Jemen nicht nur eine nationale Herausforderung darstellt, sondern zugleich eine Frage regionaler und internationaler Sicherheit ist.

